Montag, 2. Januar 2006

Nebeltag

Heute war ein Nebeltag - den ganzen Tag lang war es so feucht hier, daß einem beim draußen herumlaufen regelrecht die Haare gewaschen wurden. Schon gestern beim Waldspaziergang fiel unserem Besuch auf, daß hier in Westfalen die weißen Birkenstämme ganz schön grün veralgt sind. Der ganze Wald ist grad feucht wie ein Schwamm. Alles scheint mit Feuchtigkeit vollgesogen.
Passend dazu habe ich im "Helrunar" von Jan Fries gelesen.
Irgendwie assoziiere ich mit den Runen auch feucht und ein wenig kalt. *lol* Auch wenn mich diese Dauermatsche eigentlich nervt, hänge ich doch dran. Und richtiger Nebel ist mir auch lieber als dieser betongraue Winterhimmel. Wenn man lang genug durch die Feuchte gelaufen ist, fühlt es sich drinnen immer kuschelig und warm an - auch wenn unser Haus eigentlich auch immer etwas kühl ist.
Nicht umsonst ist die Ballade "Der Knabe im Moor" von Annette von Droste-Hülshoff 1841 ca. 20 km von hier entfernt entstanden:

Oh, schaurig ist's, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt im Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt-
Oh, schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind-
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist das gebannte Spinnlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran, als woll' es ihn holen;
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstische Melodei;
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitsheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“
Der Knabe springt wie ein wundes Reh,
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichen Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war's fürchterlich,
Oh schaurig war's in der Heide!

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